Was beim Gesunden bestimmte Symptome auslöst, soll ebendiese Symptome beim Kranken heilen, beschloss der deutsche Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts.
Similia similibus curentur – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden
Dazu müsste die Substanz allerdings verdünnt werden: In der Homöopathie geht man nämlich davon aus, dass je weniger “Wirkstoff” vorhanden ist, desto wirksamer soll das homöopathische Mittelchen sein.
Die Absurdität leuchtet jedem Menschen mit ein bisschen Sinn für Naturwissenschaften sofort ein.
Damit das Ganze noch irgendwie begründbar ist, wird einfach jede Verdünnung zusätzlich sinnlos geschüttelt. Statt “Verdünnen” nennt man es einfach “Potenzieren”.
Denn. Dadurch. Wird. Energie. In. Die. Verdünnung. Hinein. Geschüttelt.
Logisch? Nein!
Allerdings ergibt das Verdünnen der Substanz insofern Sinn, weil einige verwendete Substanzen giftig oder schlichtweg ekelhaft sind.
Beispiel für giftig: Fingerhut.
Beispiel für ekelhaft: Hundekot, den man auf Latein einfach Excrementum caninum nennt. Klingt dann weniger eklig.
Verschiedene Potenzen
In der Homöopathie unterscheidet man verschiedene Potenzen: Je höher eine Substanz potenziert wurde, desto stärker soll sie angeblich wirken.
Das klingt nicht einleuchtend, weil es nicht einleuchtend ist.
Die Urtinktur ist meistens ein pflanzlicher Auszug, dessen Inhaltsstoffe durch ein Ethanol-Wasser-Gemisch aus der Pflanze gelöst wurden. Sie enthält also tatsächlich Substanzen, die eine arzneiliche Wirkung hervorrufen könnten.
Aus der Urtinktur werden dann die verschiedenen Potenzen hergestellt:
D-Potenzen: Verdünnung 1:10
C-Potenzen: 1:100
Q- und LM-Potenzen: 1:50000
D6 bedeutet folglich, dass die Urtinktur sechs mal 1:10 verdünnt wurde und man schließlich eine 1:1.000.000-Verdünnung erhält.
Das nutzlose Schütteln mal beiseite gelassen, macht es keinen Unterschied, ob man das ganze sechs mal 1:10 verdünnt, oder ob man einen Liter aus der Urtinktur entnimmt und 999.999 Liter Lösemittel darauf kippt – die Verdünnung ist dieselbe.
Ich wiederhole:
1 Teil Ursubstanz + 999.999 Teile Lösemittel ergeben eine D6-Potenz.
Wenn wir als weiteres Beispiel eine C12-Potenz wählen, wird hier ein Teil der Urtinktur 12 mal 1:100 verdünnt.
Oder zur Veranschaulichung:
1 Teil Ursubstanz + 999.999.999.999.999.999.999.999 Teile Lösemittel.
1 Liter Ursubstanz verdünnt mit 999.999.999.999.999.999.999.999 Liter Lösemittel.
Ein Teil der erstellten Lösung wird anschließend auf die Globuli gesprüht, sodass man folglich auch keine gleichmäßige Verteilung der Flüssigkeit auf den Zuckerkügelchen hat.
Jetzt stellt euch ein paar kleine Fische vor, die die Moleküle der Substanz darstellen sollen, die dann in 999.999.999.999.999.999.999.999 Litern Wasser schwimmen.
In diese 999.999.999.999.999.999.999.999 Litern wird ein Eimer gehalten, der schließlich mit diesem Wasser gefüllt ist. Wie wahrscheinlich ist es, dass Fische in diesem Eimer rumschwimmen?
Dass die C12-Potenz stärker wirkt, weil weniger vom Ausgangsstoff drin ist, leuchtet doch sofort ein, oder? Es sei denn natürlich, man ist auch nur ein kleines bisschen bewandert auf dem Gebiet der Naturwissenschaften.
Ab den Potenzen D24 und C12, die rechnerisch sowieso identisch sind, ist statistisch betrachtet, kein einziges Molekül des “Wirkstoffs” mehr in der Verdünnung zu finden. Das heißt folglich auch, dass alle weiteren Verdünnungen mit der vorherigen gleichzusetzen sind.
Daraus ergibt sich auch, dass man höhere Potenzen beliebig miteinander austauschen kann, da es keine Rolle spielt, ob dieser “Wirkstoff” nicht enthalten ist oder jener “Wirkstoff” nicht.
Nochmal zur Veranschauung für Homöopathen: Wenn du in einem mit Wasser gefüllten 10-Liter-Eimer keinen Fisch herumschwimmen hast und diesen Eimer in ein Aquarium kippst, in dem bis auf 90 Liter Wasser nichts enthalten ist, wie viele Fische schwimmen dann in dem Aquarium herum? Richtig: Keiner!
Warum glauben die Anwender so vehement an eine angebliche Wirkung der Homöopathie, obwohl die Theorie dahinter so laut schreit, dass sie Unsinn ist?
Weil es den Placeboeffekt gibt. Ohne den Placeboeffekt gäbe es keine Homöopathie. Mit einer besseren naturwissenschaftlichen Bildung wahrscheinlich aber ebenso wenig.
Was aber, wenn der Placeboeffekt eines homöopathischen Mittelchens doch mal nicht ausreichen sollte? Dann hat der Homöopath mehrere Ausreden zur Auswahl.
Konnte der Körper die Krankheit mit Hilfe des Placeboeffekts nicht besiegen, so behauptet der Homöopath schlicht und ergreifend, er habe das falsche Mittel gewählt.
Wurde der Zustand des Patienten durch ein neues Mittelchen dann auch nicht besser, gibt er einfach so lange weitere Mittelchen, bis der Patient von selbst wieder gesund wird. Den Erfolg schreibt er dann natürlich der Homöopathie zu.
Wenn der Homöopath mit seiner Behandlung anfing, die Krankheit aber aufgrund ihres natürlichen Verlaufs erst einmal schlimmer wird, schiebt er das Ganze auf die Erstverschlimmerung.
Sie soll darauf hinweisen, dass die gewählte Arznei eine Wirkung hat und den kranken Organismus nun heilen wird. Aber natürlich…
Fazit:
Bis heute überlebte die Homöopathie nur deshalb, weil es den Placeboeffekt gibt. Ohne Placeboeffekt, keine Homöopathie.
Es gibt bis heute keine Beweise für die Behauptung der Homöopathie-Verfechter, dass eine gewählte potenzierte Substanz die gewünschten Symptome heilen kann. Egal welche Substanz, egal welche Symptome.
Genausowenig gibt es Beweise dafür, dass eine Verdünnung/Potenzierung die Wirkung verstärkt.
Im Gegenteil, die Homöopathie wurde immer und immer wieder wissenschaftlich überprüft und immer und immer wieder kam man zum gleichen Ergebnis:
Die Homöopathie hat keine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht.
Kommt eine Studie doch mal zu einem positiven Ergebnis, war sie meist so schlecht gemacht, dass sie keine Aussagekraft hat.
Und eines darf man auch nicht vergessen: Selbst wenn man zwei Placebos in einer aussagekräftigen Studie miteinander vergleichen würde, könnte das Ergebnis sein, dass das eine besser wirkt als das andere.
Was es natürlich nicht tut.
Die Homöopathie ist nichts anderes als der angewandte, monetarisierte Placeboeffekt, mit dem sich jede Menge Geld verdienen lässt – ob das die Anhänger der Homöopathie wahrhaben wollen oder nicht.
Homöopathie wirkt nicht natürlich, sie wirkt natürlich nicht

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