Xylometazolin ist ein abschwellender Wirkstoff, der in Nasensprays oder Nasentropfen eingesetzt wird, um die Nasenschleimhaut bei Bedarf abzuschwellen.

Es handelt sich chemisch betrachtet um ein Imidazolin-Derivat, also um einen Abkömmling von Imidazolin, einem ringförmigen Molekül mit Stickstoffatomen.

Als Alpha-Sympathomimetikum wirkt Xylometazolin, indem es an Alpha-Adrenozeptoren bindet und sie aktiviert. 

Das hat eine Gefäßverengung (Vasokonstriktion) zur Folge. Es kommt zur Abschwellung der Schleimhäute, wodurch die Nasenatmung und der Sekretabfluss erleichtert werden.

Das abschwellende Nasenspray wirkt also nicht nur gegen die verstopfte Nase, sondern auch gegen die laufende Nase.

Die Wirkung von Xylometazolin tritt schnell ein, meist innerhalb von fünf bis zehn Minuten, und hält mehrere Stunden an, häufig etwa sechs bis acht Stunden, je nach Präparat auch bis zu zwölf Stunden.

Die Anwendung erfolgt lokal in der Nase durch Sprays, Tropfen oder Gele, was die systemische Aufnahme des Wirkstoffs in den Blutkreislauf minimiert.

Anwenden kann man Xylometazolin bis zu dreimal am Tag, wobei in der Regel bei Kindern ab 6 Jahren und Erwachsenen ein Wirkstoffgehalt von 0,1 Prozent und bei Kindern von 2 bis 6 Jahren einer von 0,05 Prozent verwendet wird.

Bei Otriven ist das zum Beispiel anders, obwohl es denselben Wirkstoff enthält.

Hier ist das Erwachsenennasenspray erst ab 12 Jahren zugelassen.

Erwachsenen reicht aber auch oft das Kindernasenspray mit 0,05 Prozent aus. 

Falls man das gekauft hat und der Meinung ist, es reiche doch nicht aus, mag man vielleicht denken, dass man einfach ein zweites Mal sprühen kann und dann die Erwachsenendosis erhält.

So habe ich das immer vermittelt und das ist zum Beispiel bei den Nasensprays von Ratiopharm auch korrekt, bei den Nasensprays von Otriven ist es aber mal wieder etwas anders.

Laut Roter Liste enthält der Sprühstoß des Kindernasensprays (Otriven gegen Schnupfen 0,05% Dosierspray ohne Konservierungsstoffe für Kinder) 0,035 Milligramm Xy­lo­me­ta­zo­linhy­dro­chlorid und des Erwachsenennasensprays (Otriven gegen Schnupfen 0,1% Dosierspray ohne Konservierungsstoffe) 0,140 Milligramm Xylometazolinhydrochlorid.

In diesem Fall würden sogar vier Sprühstöße des Kindernasensprays rein rechnerisch einem des Erwachsenennasensprays entsprechen. Mindblown-Emoji.

Für Kinder unter zwei Jahren gibt es Nasentropfen mit einer geringeren Konzentration von 0,025 Prozent, da sie empfindlicher auf Xylometazolin reagieren.

Bei ihnen können selbst geringe Mengen des Wirkstoffs schneller in den Blutkreislauf gelangen und so systemische Effekte verursachen.

Dadurch erhöht sich das Risiko für gefährliche Nebenwirkungen wie Atemstillstand, Krampfanfälle oder eine starke Sedierung.

Daher ist bei Säuglingen eine genaue Dosierung, gemäß der Packungsbeilage, wichtig.

Bei Säuglingen unter einem Jahr soll die Anwendung nur auf ärztlichen Rat hin erfolgen, und Dosisüberschreitungen sind unbedingt zu vermeiden.

Es ist wichtig, Xylometazolin nicht länger als sieben Tage anzuwenden, da bei längerer Nutzung der sogenannte Rebound-Effekt auftreten kann.

Mit Rebound-Effekt ist eine verstärkte Schleimhautschwellung gemeint, die einsetzt, sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt. 

Durch die ständige Verengung der Blutgefäße und die dadurch reduzierte Durchblutung bei regelmäßiger Anwendung gewöhnt sich die Nasenschleimhaut an den Wirkstoff.

Wird das Spray dann abgesetzt, weiten sich die Blutgefäße übermäßig, was zu einer erneuten und oft stärkeren Schwellung führt.

Das wiederum führt dazu, dass man Xylometazolin erneut verwendet, da man sonst keine Luft durch die Nase bekommt.

Wird Xylometazolin aber trotz des Rebound-Effektes über einen noch längeren Zeitraum verwendet, kann das zur sogenannten Rhinitis medicamentosa führen.

Dabei handelt es sich um eine durch den Wirkstoff selbst ausgelöste chronische Entzündung und Schwellung der Nasenschleimhaut.

Die Schleimhaut wird dadurch geschädigt, trocknet aus und kann verkrusten.

In schweren Fällen kann es zur Atrophie der Nasenschleimhaut kommen, bei der das Gewebe dauerhaft geschädigt wird, weshalb es seine Funktionen nicht mehr vollständig ausüben kann.

Das führt oft zu einer Abhängigkeit vom Nasenspray, da Betroffene es immer und immer wieder anwenden, um die verstopfte Nase zu lindern, was den Zustand langfristig weiter verschlimmert.

Um sich zu entwöhnen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Eine Methode ist der schrittweise Entzug, bei dem man das Nasenspray nur noch in einem Nasenloch verwendet. 

Für das andere Nasenloch wird die Dosis schrittweise reduziert, indem man erst ein Kindernasenspray und später Säuglingsnasentropfen, falls noch nötig, verwendet. 

Sobald das entwöhnte Nasenloch ohne Spray frei bleibt, geht man beim anderen Nasenloch genauso vor. Wenn einem natürlich die Nasenatmung durch ein Nasenloch ausreichen sollte, kann man es auch einfach in Ruhe lassen, wodurch es schneller entwöhnt.

Ebenso kann ein Nasenspray mit Mometason verwendet werden. Dieses wirkt antientzündlich und abschwellend, allerdings erst nach etwa einem halben bis anderthalb Tagen. 

Um die Übergangszeit zu erleichtern, kann das abschwellende Spray so lange weiterverwendet werden.

Eine weitere Option ist der kalte Entzug, bei dem das Nasenspray sofort komplett abgesetzt wird. Das ist natürlich für viele nicht machbar.

Wie lange es dauert, bis man wieder durch die Nase atmen kann, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie lange und wie häufig das Nasenspray zuvor verwendet wurde.

Bei einigen Menschen erholt sich die Nasenschleimhaut bereits nach wenigen Tagen, während es bei anderen bis zu zwei Wochen dauern kann, bis die Schwellung vollständig zurückgeht und die Nasenatmung wieder möglich ist.

Bei manchen dauert es sogar noch etwas länger.

Was man immer machen kann, ist zur Unterstützung Nasensprays auf Salzbasis zu verwenden, wie hypertone Meerwassersprays, die einen leicht abschwellenden Effekt haben.

Grundsätzlich ist es wichtig, konservierungsmittelfreie Produkte zu verwenden, da das als Konservierungsmittel verwendete Benzalkoniumchlorid die Nasenschleimhaut zusätzlich reizen kann. 

Benzalkoniumchlorid tötet Keime ab, wodurch die Haltbarkeit verlängert wird.

Problematisch ist allerdings, dass die längerfristige Anwendung von Benzalkoniumchlorid Nachteile mit sich bringt.

Benzalkoniumchlorid kann die Nasenschleimhaut reizen und bei längerer Anwendung eine Schwellung begünstigen. 

Nach Untersuchungen kann es konzentrations- und zeitabhängig die Bewegungen der Flimmerhärchen hemmen. 

Diese Flimmerhärchen sind jedoch wichtig für die Selbstreinigung der Nasenschleimhaut. 

Konservierungsmittelfreie Applikationssysteme sind vielleicht manchmal etwas teurer, da sie in der Herstellung technisch aufwändiger sind, aber ich würde sie immer bevorzugen.

Sie funktionieren ohne Konservierungsmittel, da sie verhindern, dass Luft oder Keime in die Flasche gelangen.

Das geschieht durch Ventile oder Filter, die die Lösung im Inneren steril halten.

Solche konservierungsmittelfreien Varianten sind in der Regel ebenfalls bis zu sechs Monate nach Anbruch haltbar.

Manche versuchen, sich zu entwöhnen, indem sie die Sprays oder Tropfenflaschen aufschrauben und die Lösung immer wieder mit 0,9-prozentiger Kochsalzlösung verdünnen, um die Xylometazolin-Konzentration so schrittweise zu reduzieren.

Davon ist jedoch abzuraten.

Flaschen, die sich öffnen lassen, enthalten in der Regel Benzalkoniumchlorid, da sie nicht mit den speziellen Applikationssystemen ausgestattet sind, die eine Sterilität ohne Konservierungsmittel gewährleisten.

Diese speziellen Systeme lassen sich nicht öffnen.

Also abgesehen davon, dass Benzalkoniumchlorid enthalten ist, ist das nächste Problem, dass die vom Hersteller gewählte Konzentration an Benzalkoniumchlorid so hoch ist, dass es die Keime effektiv abtöten kann. 

Verdünnt man die Lösung aber, verdünnt man nicht nur das Xylometazolin, sondern auch das Benzalkoniumchlorid.

Mit anderen Worten: Man stellt sich eine unkonservierte Lösung her, die schnell verkeimt. Die Keime werden dann jedes Mal mit in die Nase gegeben. Nicht empfehlenswert.

Aber auch bei der korrekten Anwendung von Xylometazolin kann es zu Nebenwirkungen kommen. Zu den häufigsten zählen Brennen oder Trockenheit in der Nase, Niesen und Kopfschmerzen.

Gelegentlich können auch Nasenbluten oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie ein Hautausschlag auftreten.

Selten werden auch systemische Effekte wie Herzklopfen, erhöhter Blutdruck oder Unruhe beobachtet, vor allem bei Überdosierungen.

Bei Kindern wurden sogar Nebenwirkungen wie Halluzinationen oder Krampfanfälle beschrieben.

Bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei einer trockenen Nasenschleimhaut (Rhinitis sicca), beim Engwinkelglaukom, einer Form des Glaukoms, bei der der Abfluss des Kammerwassers im Auge blockiert wird, sowie nach bestimmten chirurgischen Eingriffen, darf Xylometazolin nicht verwendet werden.

Laut Fachinformation gelten je nach Präparat unterschiedliche Hinweise für Schwangerschaft und Stillzeit. 

Laut Embryotox ist eine kurzzeitige Anwendung in üblicher Dosierung in Schwangerschaft und Stillzeit möglich.

Die Dosierung sollte jedoch nicht überschritten werden.


Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete und aktualisierte Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1048: Xylometazolin in abschwellenden Nasensprays

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