Als prämenstruelles Syndrom (PMS) werden wiederkehrende, zyklusabhängige Beschwerden bezeichnet, die vor der Menstruation auftreten und nach Beginn der Blutung wieder abklingen.
Beim prämenstruellen Syndrom können sowohl psychische als auch körperliche Symptome auftreten.
Typische Beschwerden reichen von Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängstlichkeit und depressiven Verstimmungen bis hin zu körperlichen Symptomen wie Spannungsgefühlen in der Brust, Unterleibs- und Kopfschmerzen sowie Wassereinlagerungen, die zu einem Gefühl von Aufgedunsenheit führen können.
Weitere häufige körperliche Symptome sind Gelenk- und Muskelschmerzen, Völlegefühl, Heißhungerattacken und Hautunreinheiten.
Psychische Symptome, von denen Betroffene häufig berichten, sind Unsicherheits- und Kontrollverlustgefühle, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten.
In besonders schweren Fällen spricht man von der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), die durch eine stärkere Ausprägung der Symptome, vor allem auf der psychischen Ebene, gekennzeichnet ist.
Die genauen Ursachen des prämenstruellen Syndroms sind bisher noch nicht abschließend geklärt.
Es wird jedoch angenommen, dass hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus eine wichtige Rolle spielen.
Frauen mit PMS weisen in der Regel normale Hormonspiegel von Geschlechtshormonen wie Progesteron und Östrogen auf.
Dennoch reagieren sie besonders empfindlich auf die natürlichen Schwankungen dieser Hormone während des Zyklus.
Vermutlich reagieren Betroffene besonders empfindlich auf Abbauprodukte von Progesteron, bei der PMDS wird dabei auch das Allopregnanolon diskutiert.
Allopregnanolon wirkt im Gehirn, indem es unter anderem den GABA-A-Rezeptor beeinflusst, der für die Regulation von Stimmung und Emotionen wichtig ist.
Bei manchen Betroffenen könnten solche Mechanismen die Verarbeitung von Stress und Stimmungssignalen verändern und so Reizbarkeit, Angst oder depressive Verstimmungen begünstigen.
Zusätzlich wird eine Wechselwirkung zwischen Progesteron und Neurotransmittern wie Serotonin vermutet, die möglicherweise ebenfalls psychische Symptome wie Depressivität und Angstzustände begünstigen könnte.
Hinzu kommen familiäre Veranlagung und Umweltfaktoren wie Stress.
Auch Alkohol, Nikotin und eine ungünstige Ernährung können die Beschwerden bei manchen Betroffenen ungünstig beeinflussen.
Laut Pschyrembel online ist schätzungsweise jede 10. Frau von PMS betroffen.
Bei etwa 20 bis 40 Prozent der Betroffenen treten stärkere Beschwerden auf, die den Alltag beeinträchtigen können.
Laut Britannica könnten es sogar bis zu 75 Prozent aller Frauen sein.
Je nach Definition und Quelle schwanken die Schätzungen stark.
Die Diagnose PMS wird in der Regel anhand der Symptome und ihres zyklusabhängigen Auftretens gestellt.
Es ist jedoch wichtig, andere mögliche Ursachen wie Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen oder das Reizdarmsyndrom auszuschließen.
Ein Tagebuch, in dem die Beschwerden über mindestens zwei bis drei Monate festgehalten werden, kann dabei helfen, den Verlauf und die Zusammenhänge mit dem Zyklus zu dokumentieren.
Die Behandlung des prämenstruellen Syndroms richtet sich nach der Schwere der Beschwerden.
Bei leichten Symptomen werden Änderungen im Lebensstil wie regelmäßige Bewegung, Stressmanagement und eine ausgewogene Ernährung empfohlen.
Hilft das nicht, werden häufig pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer oder Johanniskraut ausprobiert.
Mönchspfeffer wird vor allem bei körperlichen Symptomen wie Brustspannen oder Wassereinlagerungen angewendet.
In Studien und Metaanalysen zeigte sich ein möglicher Nutzen bei prämenstruellen Beschwerden, unter anderem bei Brustspannen.
Allerdings sind die Ergebnisse teilweise methodisch schwach oder widersprüchlich, weshalb die Aussagekraft nicht stark ist.
Johanniskraut wird bei leichten bis mittelschweren psychischen Symptomen wie depressiven Verstimmungen oder Reizbarkeit eingesetzt, da es stimmungsaufhellende Eigenschaften besitzt.
Diese Wirkung ist bei allgemeinen depressiven Verstimmungen durch zahlreiche Studien gut belegt.
Bei psychischen Beschwerden im Zusammenhang mit PMS liegen jedoch weniger spezifische und umfassende Daten vor, weshalb die Wirksamkeit in diesem Bereich nicht eindeutig nachgewiesen ist.
Bei stärkeren Beschwerden kommen möglicherweise Schmerzmittel und bei ausgeprägten Wassereinlagerungen auch entwässernde Mittel infrage.
Hormonelle Mittel wie die Antibabypille können Beschwerden lindern, viele Frauen stehen ihnen wegen möglicher Nebenwirkungen oder Risiken aber kritisch gegenüber.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram können bei ausgeprägten psychischen Symptomen wie Depressivität oder Angst hilfreich sein.
Die Einnahme erfolgt entweder durchgehend oder nur in der zweiten Zyklushälfte, je nach Ausprägung der Beschwerden.
Die Zukunft wird zeigen, welche neuen Erkenntnisse die Wissenschaft über die Ursachen von PMS und mögliche Verbesserungen in der Behandlung gewinnen wird.
Hoffen wir das Beste.
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete und aktualisierte Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1045: Das prämenstruelle Syndrom“
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