Teil 1: Einleitung und die chemischen Grundlagen
#DerApotheker präsentiert: Ibuprofen – Teil 1: Einleitung und die chemischen Grundlagen
Teil 2: Wie wirkt Ibuprofen denn nun?
#DerApotheker präsentiert: Ibuprofen – Teil 2: Wie wirkt Ibuprofen denn nun?
Teil 3: Dosierung von Ibuprofen für Erwachsene und Kinder und die Antwort auf die Frage, ob zwei Ibu-400-Tabletten genauso wirken wie eine Ibu-800-Tablette
Dosierung bei Erwachsenen
In der Selbstmedikation, also wenn man das Ibuprofen nicht von seiner Ärztin verordnet bekommen hat, dann beträgt die maximale Tagesdosis 1200 Milligramm Ibuprofen für einen Erwachsenen. Aufgeteilt auf drei Einnahmen von jeweils 400 Milligramm. Diese Dosis sollte nicht überschritten werden.
Die Tablette nach dem Essen einzunehmen, sorgt dafür, dass sie besser vertragen wird.
Da durch die Einnahme von Ibuprofen aber, wie in Teil 2 beschrieben, vermehrt Magensäure und weniger schützender Magenschleim gebildet wird, kann die Magenschleimhaut immer „gereizt“ werden, unabhängig davon, ob man das Ibuprofen jetzt vor oder nach dem Essen einnimmt. Nimmt man es nach dem Essen ein, entfällt allerdings die direkte Reizung der Magenschleimhaut, weshalb es auf diese Weise etwas besser verträglich ist. Nimmt man das Ibuprofen aber nach dem Essen ein, wirkt es nicht so schnell, wie wenn man es vor dem Essen geschluckt hätte.
In Deutschland wird deshalb immer eine Einnahme nach den Mahlzeiten empfohlen. Wie mir nach dem Erscheinen der ersten Version dieses Artikels mitgeteilt wurde, ist das in anderen Ländern aber durchaus anders.
Wenn man eine 400-Milligramm-Tablette eingenommen hat, darf die nächste bereits nach sechs Stunden geschluckt werden – obwohl “dreimal täglich” in der Regel alle acht Stunden bedeutet.
Wird Ibuprofen nicht im Rahmen der Selbstmedikation eingenommen, sondern aufgrund einer ärztlichen Verordnung, beträgt die tägliche Höchstdosis 2400 Milligramm. Das ist die absolute Höchstdosis. Reichen 800 Milligramm alle acht Stunden nicht aus, dann braucht man ein anderes Schmerzmittel.
Der Grund dafür, dass man in der Selbstmedikation nur die Hälfte der Dosis einnehmen darf, ist, weil die hohe Dosis ärztlich überwacht werden sollte, da so auch Nebenwirkungen wie Blutungen im Magen vermehrt auftreten können.
Ibuprofen in einer Dosierung höher als 400 Milligramm ist daher immer rezeptpflichtig. Es gibt aber auch verschreibungspflichtige 400-Milligramm-Ibuprofentabletten. Die wirken nicht anders als die freiverkäufliche Version.
Wurden zum Beispiel 20 Tabletten mit je 400 Milligramm Ibuprofen verordnet und man müsste fünf Euro Zuzahlung leisten, kann es gut sein, dass man in der Apotheke auch welche ohne Rezept für weniger Geld bekommt. Man kann dann einfach die freiverkäuflichen wählen.
Warum gibt es dann überhaupt verschreibungspflichtige Ibu-400-Tabletten?
Der Unterschied zwischen der rezeptfreien und der verschreibungspflichtigen Version liegt nur in der Indikation, also wofür man sie einsetzt. Während die rezeptfreien Ibu 400 zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen, wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen und Fieber eingesetzt werden, gibt es bei der verschreibungspflichtigen Variante eine erweiterte Indikation.
Man wendet sie an zur symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündung bei
- akuten Arthritiden (einschließlich Gichtanfall)
- chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronische Polyarthritis)
- Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
- Reizzuständen bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrosen und Spondylarthrosen)
- entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen
- schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen oder Operationen
- leichten bis mäßig starken Schmerzen
- Fieber
Das ist der Unterschied. Im Prinzip sind sie einfach nur deshalb verschreibungspflichtig, weil die genannten Krankheiten nicht in der Selbstmedikation behandelt werden sollten.
Tabletten mit 600 und 800 Milligramm Ibuprofen sind – wie erwähnt – immer verschreibungspflichtig.
Wurden 600 Milligramm Ibuprofen verordnet, darf man die nächste Tablette bereits nach sechs Stunden einnehmen. Höchstens jedoch vier am Tag.
Bei Ibu 800 hingegen darf die nächste Tablette frühestens nach acht Stunden geschluckt werden. Dementsprechend höchstens drei Tabletten am Tag.
Würde man eine zweite Dosis zu früh einnehmen, wäre der Blutspiegel zu hoch, was eben auch die Nebenwirkungen verstärkt.
Jetzt die Fragen aller Fragen:
Wirkt Ibuprofen 800 Milligramm genauso wie zwei Tabletten Ibuprofen 400 Milligramm?
Die Antwort ist: Im Grunde ja. Allerdings kann es Unterschiede in der Freisetzung des Wirkstoffs geben.
Gelangt eine 800-Milligramm-Tablette in den Magen, löst sie sich auf und setzt den Wirkstoff frei. Bei zwei 400ern ist es dasselbe. Das wird aber nicht zwangsweise genauso lange dauern wie bei der Achthunderter.
Wenn man zwei Ibuprofen-Tabletten von zwei verschiedenen Firmen miteinander vergleicht, haben beide sehr wahrscheinlich unterschiedliche Hilfsstoffe, was ebenso dazu führen kann, dass die Tabletten der einen Firma den Wirkstoff schneller freisetzen als die der anderen. Die Bioverfügbarkeit, also wie viel vom Wirkstoff im Blut ankommt, und die Wirksamkeit können deshalb bei Ibuprofen trotz gleicher Dosierung stark schwanken. Wenn jemand also der Meinung ist, dass bei ihm nur das Ibuprofen der einen Firma wirkt, dann kann da durchaus was dran sein.
Oft höre ich Sprüche wie „Bei mir wirken aber nur die von der Firma XY!“, was in der Selbstmedikation oder bei Privatrezepten natürlich kein Problem darstellt, weil man dann ganz einfach die Tabletten der gewünschten Firma kaufen kann. Ob die private Krankenversicherung dann allerdings die teureren Tabletten bezahlt, ist eine andere Sache.
Am häufigsten kommt der Spruch aber dann vor, wenn die Ärztin Firma XY verordnet hat, der blöde Apotheker, dann diese aber nicht rausrücken will, weil sie von der Krankenkasse aber nicht bezahlt wird.
In dem Fall könnten wir dann „Pharmazeutische Bedenken“ anmelden und das gewünschte Präparat abgeben. Besser wäre allerdings, wenn die Ärztin dann jedes Mal das Präparat, das am besten wirkt, verordnet und dazu aut idem ausschließen würde.
„Aut idem“ heißt „oder ein Gleiches“. Damit ist gemeint, dass wir ein wirkstoffgleiches Arzneimittel einer anderen Firma abgeben dürfen. Die Packungsgröße muss dabei aber der Normgröße der verordneten Packung entsprechen. Wir dürfen also nicht einfach 100 Tabletten statt 20 abgeben. Auch muss die Wirkstärke dieselbe bleiben.
Wenn aut idem ausgeschlossen, also der Austausch verhindert werden soll, muss das Aut-idem-Feld von der Ärztin angekreuzt werden. Damit wird das Wort „aut idem“, das sich in dem Feld befindet, durchgestrichen. Das bedeutet für uns, dass kein Gleiches einer anderen Firma mehr abgegeben werden darf.
Allerdings ergibt der Spruch, dass nur die Tabletten der einen Firma bei einem wirken, wenig Sinn. Denn ohne die Tabletten aller anderen Firmen ausprobiert zu haben, bleibt das nur eine Behauptung. Und nicht selten gibt es über 30 verschiedene Anbieter.
Bei der retardierten Version der Ibu 800 sieht das Ganze dann schon anders aus. Bei diesen Tabletten wird der Wirkstoff dann nicht sofort, wie bei den „normalen“ Tabletten freigesetzt, sondern eben nach und nach. Dann macht es durchaus einen Unterschied, ob man eine retardierte Ibu 800 einnimmt, oder eben zwei normale Ibu 400.
Dosierung bei Kindern
Für Kinder werden immer Ibuprofen und Paracetamol empfohlen, wenn es um Schmerzen und Fieber geht.
Was die Dosierung für Kinder angeht, sollte man immer im Beipackzettel nachlesen, wie viel man geben muss. Denn sie wird sich für dasselbe Kind immer mal wieder ändern, da die Dosis anhand des Alters und des Gewichts bestimmt wird.
Kindern gibt man als Einzeldosis sieben bis zehn Milligramm Ibuprofen pro Kilogramm Körpergewicht und als Tagesgesamtdosis 30 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Ein zehn Kilogramm schweres Kind bekommt als Einzeldosis dementsprechend 70 – 100 Milligramm Ibuprofen verabreicht und maximal 210 – 300 Milligramm pro Tag. Folglich kann zum Beispiel ein Zäpfchen mit 75 Milligramm Ibuprofen bis zu viermal am Tag verabreicht werden. Viermal am Tag bedeutet alle sechs Stunden.
Ansonsten gibt es noch die Variante mit Lysin: das Ibuprofenlysinat.
Lysin ist eine essenzielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und daher über die Nahrung aufgenommen werden muss. Der Begriff „Lysinat“ bezieht sich auf ein Salz oder Ester der Aminosäure Lysin. Wenn Lysin mit einer anderen Substanz reagiert, wie beispielsweise einer Säure, entsteht ein Salz, das als Lysinat bezeichnet wird.
Ibuprofenlysinat ist also Ibuprofen, das mit Lysin verbunden ist. Dadurch ist es besser wasserlöslich als Ibuprofen alleine. Löst es sich schneller im Magen auf, kann es im Dünndarm schneller ins Blut übergehen und folglich schneller wirken.
Normale Ibuprofenpräparate erreichen nach ein bis zwei Stunden ihre maximale Konzentration im Blut. Ibuprofen-Lysinat hingegen schafft das bereits nach 30 bis 50 Minuten.
Die Frage ist, ob man einen Unterschied bemerkt, da Ibuprofen bereits wirkt, bevor der maximale Blutspiegel von Ibuprofen erreicht ist. Hinzukommt, dass wenn der Wirkstoff schneller anflutet, er auch schneller wieder abflutet, sodass die Wirkung des Ibuprofen-Lysinats nicht so lange anhält, wie die des normalen Ibuprofens. Und die Lysin-Variante ist zudem teurer.
Ibuprofenlysinat wirkt auch nicht stärker als Ibuprofen alleine, auch wenn viele denken, dass das der Fall wäre, weil auf der Packung statt 400 Milligramm Ibuprofen 684 Milligramm Ibuprofen-Lysinat steht. Die 684 Milligramm Ibuprofen-Lysinat setzten sich aus 400 Milligramm Ibuprofen und 284 Milligramm Lysinat zusammen.
Schneller als Tabletten wirkt auch ein Saft, da dort das Ibuprofen suspendiert vorliegt und sich somit im Magen dann schneller auflösen kann. In einem Ibuprofensaft schwimmen kleine Teilchen des Wirkstoffes herum.
Steht auf einem Saft 20 mg/ml bedeutet das, dass ein Milliliter des Ibuprofensafts 20 Milligramm Ibuprofen enthält.
Müssen dann zum Beispiel 100 Milligramm als Einzeldosis gegeben werden, sind das entsprechend fünf Milliliter Saft. Damit in den fünf Millilitern aber auch wirklich 100 Milligramm Ibuprofen enthalten sind, muss der Saft vor der Gabe geschüttelt werden, sonst befinden sich eventuell zu wenig Teilchen auf dem Löffel und die gegebene Dosis ist zu niedrig, da das Ibuprofen sich am Boden absetzt. Das würde dann auch bedeuten, dass sich im Anschluss mehr als 20 Milligramm in einem Milliliter befinden würden und dadurch bei der nächsten Gabe etwas zu viel gegeben werden würde – vorausgesetzt, man schüttelt den Saft zuvor.
Vorsicht:
Es gibt auch die Säfte mit 40 Milligramm Ibuprofen auf einen Milliliter. Wenn man da also nicht aufpasst und denkt, man hätte den Saft mit 20 Milligramm pro Millilitern gekauft, kann man schnell mal die doppelte Dosis verabreichen.
Einen Saft zu schütteln ist grundsätzlich immer dann notwendig, wenn eine Suspension vorliegt, bei einer Lösung ist das nicht nötig, da dann die Teilchen immer gleichmäßig verteilt in der Flüssigkeit vorliegen.
Auch aus Zäpfchen wird der Wirkstoff relativ schnell aufgenommen. Wer aber denkt, dass er damit den Nebenwirkungen wie Magenblutungen entgehen kann, liegt falsch. Auch als Zäpfchen wird der Wirkstoff ins Blut aufgenommen und hat dementsprechend die gleichen systemischen Wirkungen wie bei der Aufnahme des Wirkstoffes durch Saft oder Tabletten. Lediglich die direkte Magenreizung entfällt.
Halten wir fest: Je schneller sich das Ibuprofen im Magen auflösen kann, desto schneller kann es vom Körper aufgenommen werden und wirken.
Dementsprechend wirkt auch das Ibuprofengranulat schneller, das man direkt in den Mund kippt und dann hinunterschluckt.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Ibuprofen bei systemischer Anwendung sind: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.
Teil 4: Fragen und Antworten
#DerApotheker präsentiert: Ibuprofen – Teil 4: Fragen und Antworten
Dieser Artikel erschien erstmalig am 10.01.2020. Das ist Teil 3 der aktualisierten Version.
Teile dieses Artikel habe ich für mein erstes Buch „Die Wahrheit über unsere Medikamente” verarbeitet.


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