Bei CYP3A4 handelt es sich um ein Enzym, das zur Cytochrom-P450-Enzymfamilie gehört, die dafür verantwortlich sind, unter anderem eine große Anzahl von Arzneimitteln abzubauen. Sie befinden sich hauptsächlich in der Leber, obwohl sie auch in anderen Organen wie dem Dünndarm vorhanden sind.
Das P-Glykoprotein hingegen ist ein Transportprotein der Zellmembran. Es wird auch als Effluxpumpe bezeichnet, da es körperfremde Stoffe aktiv aus dem Inneren der Zelle nach außen schleust. Das P-Glykoprotein hindert zum Beispiel verschiedene Wirkstoffe daran, aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen zu werden.
Das P-Glykoprotein kann induziert werden, wodurch seine Aktivität verstärkt wird und die betroffenen Arzneimittel noch schneller ausgeschleust werden. Ebenso kann es blockiert werden, was dann wiederum zu einer höheren Bioverfügbarkeit des betroffenen Arzneistoffs führen kann.
Johanniskraut, das als Antidepressivum vor allem bei leichten Depressionen eingesetzt wird, ist ein starker P-Glykoprotein- und CYP3A4-Induktor.
Durch Johanniskraut werden also mehr dieser Effluxpumpen aktiviert und folglich weniger Wirkstoff ins Blut aufgenommen.
Durch die vermehrten CYP3A4-Enzyme werden die Wirkstoffe schneller abgebaut, die über diese Enzyme verstoffwechselt werden.
Wenn ein Arzneimittel von beiden beeinflusst wird, kann Johanniskraut beide Effekte verstärken. Der Effekt fällt entsprechend weniger stark aus, wenn das Arzneimittel nur von CYP3A4 verstoffwechselt, beziehungsweise nur ein Substrat des P-Glykoproteins ist.
Einfach ausgedrückt: Wird weniger Wirkstoff aufgenommen und/oder er schneller abgebaut, bleibt dementsprechend weniger für die Wirkung übrig. Das Arzneimittel wirkt also nicht so effektiv, wie es wirken würde, hätte man nicht zusätzlich Johanniskraut eingenommen.
Ein Beispiel ist die Antibabypille. Die Einnahme von Johanniskraut kann ihre Wirkung reduzieren, da sowohl CYP3A4, wie auch das P-Glykoprotein induziert wird. Das Risiko schwanger zu werden steigt.
Weitere Arzneimittel, deren Wirkung durch Johanniskraut reduziert werden sind unter anderem die Vitamin-K-Antagonisten, wie Phenprocoumon, das Antidepressivum Amitriptylin, das Immunsuppressivum Ciclosporin, sowie HIV-Protease-Inhibitoren.
Dass diese Gefahren durch Johanniskraut besteht, sollte man bei der Einnahme von Johanniskraut immer im Hinterkopf haben und sie sowohl in der Arztpraxis als auch in der Apotheke erwähnen. Da Johanniskraut auch ohne Rezept gekauft werden kann, bedenkt man das vielleicht nicht.

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