Beim Bluthochdruck, der auch als arterielle Hypertonie bezeichnet wird, handelt es sich um eine chronische Erkrankung mit dauerhaft erhöhten Blutdruckwerten.
Laut den Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga liegt eine Hypertonie vor, wenn der systolische Blutdruck mindestens 140 mmHg und/oder der diastolische Blutdruck mindestens 90 mmHg beträgt.
Die Einheit mmHg steht dabei für Millimeter (mm) Quecksilbersäule (Hg für Quecksilber).
Sie wird international zur einheitlichen Messung des Blutdrucks verwendet.
Mit ihr lässt sich angeben, wie hoch eine Säule aus Quecksilber in einem geschlossenen System durch den jeweiligen Druck angehoben wird.
Wird das Quecksilber in der Säule um 100 Millimeter angehoben, beträgt der Druck folglich 100 mmHg.
Der systolische Blutdruck beschreibt den höheren Wert und misst den Druck in den Gefäßen, wenn das Herz sich zusammenzieht und somit Blut in den Kreislauf pumpt (Herzkontraktion).
Der diastolische Blutdruck hingegen bezeichnet den niedrigeren Wert und gibt den Druck an, der in den Gefäßen herrscht, während das Herz entspannt ist und sich erneut mit Blut füllt.
Misst man beispielsweise 120/80 mmHg, bedeutet das, dass der maximale Druck während des Herzschlags bei 120 mmHg und der niedrigste Wert in der Entspannungsphase bei 80 mmHg liegt.
Es gibt verschiedene Arten der Hypertonie.
Besonders häufig tritt die primäre Hypertonie auf, bei der man die ihr zugrunde liegende Ursache nicht kennt.
Sie betrifft etwa 90 bis 95 Prozent der Fälle und wird durch genetische Veranlagung sowie durch äußere Faktoren wie Stress, ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel beeinflusst.
Die sekundäre Hypertonie, die in fünf bis zehn Prozent der Fälle vorkommt, ist die Folge von anderen Erkrankungen wie Nierenleiden oder endokrinen Störungen, wie zum Beispiel einer Schilddrüsenüberfunktion.
In Deutschland leiden etwa 30 Prozent der Erwachsenen an Bluthochdruck, wobei die Prävalenz mit steigendem Alter zunimmt.
Ähnliche Werte finden sich in Österreich und der Schweiz.
Mit Prävalenz ist der Anteil der an Bluthochdruck erkrankten Menschen in einer bestimmten Population (z. B. die Menschen in Deutschland) zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeint.
Weltweit gilt Bluthochdruck als bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in vielen Ländern die Haupttodesursache sind.
Neben primär und sekundär wird die Hypertonie in verschiedene Schweregrade eingeteilt.
Grad eins bezeichnet eine leichte Hypertonie mit systolischen Werten von 140 bis 159 mmHg oder diastolischen Werten von 90 bis 99 mmHg.
Grad zwei wird als mittelschwere Hypertonie mit systolischen Werten von 160 bis 179 mmHg oder diastolischen Werten von 100 bis 109 mmHg bezeichnet.
Grad drei beschreibt die schwere Hypertonie mit systolischen Werten über 180 mmHg oder diastolischen Werten über 110 mmHg.
Zudem gibt es Sonderformen wie die Weißkittelhypertonie.
Hierbei werden in der Arztpraxis oder in der Apotheke erhöhte Blutdruckwerte gemessen, obwohl die Werte bei Messungen zu Hause oder in entspannter Umgebung im normalen Bereich liegen.
Die erhöhten Werte werden häufig durch Stress oder Anspannung ausgelöst, die bei einem Arztbesuch oder bei der Messung in der Apotheke auftreten können.
Die maskierte Hypertonie hingegen beschreibt den gegenteiligen Effekt.
Hier sind die Blutdruckwerte unter kontrollierten Bedingungen normal, während sie zu Hause oder im Alltag oft unbemerkt erhöht sind.
Diese Form der Hypertonie ist besonders problematisch, da sie oft unentdeckt bleibt.
Bluthochdruck entwickelt sich oft schleichend und man bleibt lange Zeit symptomfrei, weshalb viele Menschen dann auch der Meinung sind, ihn nicht behandeln zu müssen.
„Aber mir geht’s doch gut!“
Erste Beschwerden eines erhöhten Blutdrucks können Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Nasenbluten oder ein Druckgefühl in der Brust sein.
Behandelt man den Bluthochdruck nicht, kann es zu einem Herzinfarkt, zu Schlaganfällen, Nierenversagen oder Sehstörungen durch Schäden an den Augenhintergrundgefäßen kommen.
Besonders problematisch ist die sogenannte maligne Hypertonie, ein seltenes, aber gefährliches Krankheitsbild, das einen medizinischen Notfall darstellt.
Dabei kommt es in der Regel zu extrem hohen Blutdruckwerten, häufig mit systolischen Werten über 180 bis 200 mmHg und diastolischen Werten über 120 mmHg.
Dieser starke Druckanstieg führt zu einer akuten Überbelastung des Herz-Kreislauf-Systems, was schwerwiegende Schäden an lebenswichtigen Organen verursachen kann.
Die maligne Hypertonie entsteht oft plötzlich, vor allem bei Menschen mit bereits bestehendem Bluthochdruck, der unzureichend behandelt wurde.
Um Bluthochdruck zu diagnostizieren, wird der Blutdruck mehrfach gemessen, damit die Werte zuverlässig sind und kurzfristige Schwankungen weniger ins Gewicht fallen.
Besonders aussagekräftig sind 24-Stunden-Blutdruckmessungen, bei denen ein tragbares Gerät regelmäßig den Blutdruck misst, auch während des Schlafs.
Damit lassen sich Druckschwankungen im Tagesverlauf darstellen, womit sich auch verdeckte Formen von Bluthochdruck, wie die maskierte Hypertonie, aufdecken lassen.
Zusätzlich werden Blutuntersuchungen durchgeführt, mit denen sich die möglichen Ursachen einer sekundären Hypertonie, wie Hormonstörungen oder Nierenprobleme, identifizieren lassen.
Sie liefern zudem Hinweise auf Begleiterkrankungen, wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen, die mit Bluthochdruck einhergehen.
Zur Beurteilung von Organschäden werden oft auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall und EKG eingesetzt.
Ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) kann zum Beispiel zeigen, ob das Herz durch den erhöhten Druck vergrößert ist oder ob es bereits zu einer Verdickung der Herzwände gekommen ist.
Ein Ultraschall der Nieren ermöglicht die Untersuchung der Nierengefäße und kann Hinweise auf Nierenerkrankungen geben, die eine Hypertonie verursachen können.
Das EKG (Elektrokardiogramm) wird verwendet, um mögliche Veränderungen im Herzrhythmus oder eine Belastung des Herzens durch den hohen Druck zu erkennen.
Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle sollte daher fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge sein, vor allem bei Menschen, die bekannte Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung aufweisen.
Behandelt wird der Bluthochdruck sowohl durch Lebensstiländerungen als auch durch Arzneimittel, die den Blutdruck senken, um das Risiko von Folgeschäden zu reduzieren.
Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen eine kochsalzarme Ernährung, Gewichtsreduktion, regelmäßige körperliche Aktivität, der Verzicht auf Nikotin sowie eine Begrenzung des Alkoholkonsums.
Eine kochsalzarme Ernährung hilft, den Blutdruck zu senken, da ein hoher Salzkonsum das Flüssigkeitsvolumen im Körper erhöht und so den Druck in den Gefäßen steigert.
Eine Gewichtsreduktion entlastet das Herz-Kreislauf-System und senkt den Blutdruck, da sie unter anderem den Stoffwechsel verbessert und die Aktivität des sympathischen Nervensystems reduziert.
Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Gefäßfunktion, reduziert Stress und stärkt das Herz, was langfristig zu niedrigeren Blutdruckwerten führt.
Der Verzicht auf Nikotin verringert die Gefäßverengung und schützt die Gefäße vor Schäden, die durch Rauchen entstehen können.
Eine Begrenzung des Alkoholkonsums wirkt blutdrucksenkend, da Alkohol in größeren Mengen den Blutdruck steigen lässt.
In der medikamentösen Therapie stehen vor allem Diuretika wie HCT, ACE-Hemmer wie Ramipril, Sartane wie Valsartan, Calciumantagonisten wie Amlodipin und Betablocker wie Metoprolol zur Verfügung.
Die Wahl des Arzneimittels richtet sich nach individuellen Faktoren wie Begleiterkrankungen und möglichen Nebenwirkungen.
Häufig wird auch eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen eingesetzt, falls die Zielwerte nicht mit einem Wirkstoff erreicht werden können.
Das Ziel der Therapie ist es, den Blutdruck auf Werte unter 140/90 mmHg und, wenn möglich und gut verträglich, in einen Bereich um 120 bis 129/70 bis 79 mmHg zu senken.
Ein Wert von 120/80 mmHg gilt als optimal, kann jedoch abhängig von Alter und individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen angepasst werden.
Für manche Patientengruppen, wie etwa Diabetiker oder ältere Menschen, gelten dann angepasste Zielwerte.
Eine frühzeitige und konsequente Behandlung verbessert die Prognose erheblich, indem sie das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich reduziert.
Wichtig: Passen die Werte durch die Einnahme der Arzneimittel, hat man immer noch per Definition einen Bluthochdruck.
Er ist jedoch eingestellt.
Oft werden die Arzneimittel dann eigenmächtig abgesetzt, weil die Werte ja jetzt passen.
ABER: Sie passen, WEIL die Arzneimittel eingenommen werden.
Blutdrucksenker bekämpfen nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome.
Bluthochdruck in der Schwangerschaft tritt bei etwa jeder zehnten Frau auf und birgt Risiken für Mutter und Kind.
Eine engmaschige Überwachung ist daher wichtig.
Sowohl der Blutdruck der Mutter als auch die Gesundheit des ungeborenen Kindes müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden.
Alpha-Methyldopa ist ein bewährter Blutdrucksenker, der für Mutter und Kind gut verträglich ist und daher vor allem für die Langzeitbehandlung als Mittel der ersten Wahl gilt.
Allerdings ist die Datenlage zur Anwendung im ersten Schwangerschaftsdrittel weniger umfangreich als in den späteren Phasen der Schwangerschaft.
Metoprolol, ein Betablocker, wird ebenfalls häufig verwendet und ist im ersten Schwangerschaftsdrittel besser erforscht.
Eine Behandlung mit Betablockern kann insgesamt mit einem leicht erhöhten Risiko für ein geringes Geburtsgewicht verbunden sein.
Für Metoprolol ist dieser Zusammenhang bisher nicht eindeutig.
Gängige Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer oder Sartane sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da sie das Risiko für Fehlbildungen erhöhen können.
Auch in der Stillzeit muss der Blutdruck weiter behandelt werden.
Der Betablocker Metoprolol gehört mit Alpha-Methyldopa und Nifedipin zu den Mitteln der Wahl.
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete und aktualisierte Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1035: Bluthochdruck. Die unsichtbare Gefahr. “
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