Die Schwangerschaftsübelkeit, auch bekannt als Emesis gravidarum und oft einfach nur als „Morgenübelkeit“ bezeichnet, betrifft bis zu 80 Prozent der schwangeren Frauen.
Wie der Name „Morgenübelkeit“ schon vorsichtig andeutet, kommt sie häufig morgens vor.
Sie kann aber auch noch später am Tag auftreten.
Man wusste lange Zeit nicht, wodurch die Schwangerschaftsübelkeit ausgelöst wird.
Vermutet wurde, dass sie vor allem dann auftritt, wenn die Konzentrationen des humanen Choriongonadotropins (hCG) und von Östrogen im Blut ansteigen.
Während die erhöhten Konzentrationen der beiden Hormone wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle spielen, wurde Ende 2023 das Ergebnis einer großen Studie veröffentlicht, die zeigte, dass der Wachstumsfaktor GDF15, der überwiegend von der Plazenta gebildet wird, eine wichtige Rolle bei der Auslösung dieser Übelkeit spielt, indem er an Rezeptoren im Hirnstamm bindet, die Übelkeit vermitteln.
In der Regel tritt die Schwangerschaftsübelkeit im ersten Trimenon, also während der ersten zwölf Schwangerschaftswochen, auf, am häufigsten zwischen der vierten und siebten Woche, mit einem Höhepunkt etwa in der neunten Woche.
In den meisten Fällen ist der Spu(c)k dann zwischen der 12. und 14. Woche wieder vorbei.
Bei manchen Frauen allerdings nicht, bei ihnen kann sich die Schwangerschaftsübelkeit zu einer Hyperemesis gravidarum weiterentwickeln.
Dabei handelt es sich um eine schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit, die von anhaltendem Erbrechen begleitet wird und die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erheblich beeinträchtigen kann.
Sie führt zu Dehydratation (Flüssigkeitsverlust), Gewichtsverlust und Elektrolytstörungen, was Risiken für Mutter und Kind mit sich bringt und eine medizinische Behandlung dringend erforderlich macht, oft in Form von Infusionen und Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit).
Glücklicherweise ist diese Erkrankung selten und tritt nur bei etwa 0,3 bis 3 Prozent der Schwangerschaften auf.
Mögliche Komplikationen, die auftreten können, sind eine beeinträchtigte Leberfunktion, die sich in Form von Ikterus (Gelbsucht) äußern kann, und Stoffwechselstörungen wie Ketose, bei der der Körper aufgrund eines Mangels an Glukose vermehrt Fettsäuren abbaut und Ketonkörper, wie Aceton, bildet, die sich dann im Blut ansammeln.
Das kann zu Symptomen wie Müdigkeit, Übelkeit und eben zu einem typischen Acetongeruch im Atem führen.
Um die Symptome zu lindern, wird Schwangeren häufig empfohlen, kleine, regelmäßige Mahlzeiten zu sich zu nehmen, die reich an Kohlenhydraten und Proteinen, aber fettarm sind, sowie starke Gerüche zu vermeiden, die Übelkeit auslösen könnten.
Ingwerprodukte, wie Ingwerkapseln oder -tee, und Vitamin-B6-Präparate haben in Studien eine gewisse Wirksamkeit bei der Linderung von Schwangerschaftsübelkeit gezeigt.
Ingwer wirkt vermutlich, indem er die Magen-Darm-Motilität verbessert und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, die helfen, die Übelkeit zu reduzieren.
Dabei kann er die Serotoninrezeptoren im Magen-Darm-Trakt beeinflussen, was möglicherweise die Entstehung von Übelkeit reduziert.
Eine bessere Option ist die Kombination von Doxylamin mit Vitamin B6, auch Pyridoxin genannt.
Doxylamin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation, das die Bluthirnschranke überwinden kann und dort die H1-Rezeptoren blockiert, was dazu führt, dass die Signale zur Auslösung von Übelkeit im Brechzentrum im Gehirn unterdrückt werden.
In Kombination mit Vitamin B6 wirkt es in Studien effektiver.
Vitamin B6 beeinflusst den Neurotransmitterstoffwechsel und könnte dadurch zusätzlich beruhigend auf das Brechzentrum wirken.
Bei stärker ausgeprägter Übelkeit kommen zusätzlich stärkere Antihistaminika wie Dimenhydrinat zum Einsatz, die ebenfalls H1-Rezeptoren blockieren und so Übelkeit und Erbrechen reduzieren.
Diese Antihistaminika werden verwendet, wenn Doxylamin und Vitamin B6 nicht ausreichend wirksam sind.
Sie können eine zusätzliche oder stärkere Linderung der Übelkeit bieten, sind jedoch auch mit einer ausgeprägteren sedierenden Wirkung und weiteren möglichen Nebenwirkungen verbunden, weshalb ihr Einsatz sorgfältig abgewogen werden muss.
Eine weitere Substanz, die eingesetzt werden kann, ist Ondansetron.
Diese Substanz hat sich als wirksam bei der Linderung von Übelkeit, vor allem aber in schweren Fällen wie der Hyperemesis gravidarum, erwiesen.
Ondansetron gehört zur Klasse der Serotonin-5-HT3-Rezeptorantagonisten und wirkt, indem es die 5-HT3-Serotoninrezeptoren im Brechzentrum des Gehirns blockiert, wodurch die Signale für Übelkeit und Erbrechen, die durch die Stimulation dieser Rezeptoren ausgelöst werden, gehemmt werden.
Ondansetron ist in Form von Film- und Schmelztabletten sowie als Injektions- oder Infusionslösung verfügbar, die intravenös, also in die Vene, verabreicht wird.
Wird Ondansetron verwendet, soll vom Arzt zuvor geprüft werden, ob Elektrolytstörungen wie Hypokaliämie und Hypomagnesiämie vorliegen, ob also zu wenig Kalium bzw. zu wenig Magnesium im Blut ist.
Falls ja, sollten Kalium und/oder Magnesium vor Beginn der Ondansetron-Therapie ausgeglichen beziehungsweise substituiert werden, um das Risiko von Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen zu minimieren.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, ein Wärmegefühl und Verstopfung.
Deutlich seltener können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Krampfanfälle oder Herzrhythmusstörungen auftreten.
Für die Einnahme von Ondansetron im ersten Schwangerschaftsdrittel gibt es Hinweise auf ein mögliches leicht erhöhtes Risiko bestimmter Fehlbildungen.
Ein teratogenes Risiko, also ob der Wirkstoff Fehlbildungen beim Embryo auslöst, kann derzeit nicht sicher ausgeschlossen oder bestätigt werden.
Manche Studien haben Hinweise auf ein gering erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gezeigt.
Insgesamt wird das Risiko allerdings als minimal eingestuft.
Ondansetron soll in der Regel aber erst dann eingesetzt werden, wenn andere Therapiemöglichkeiten nicht ausreichend effektiv wirken.
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete und aktualisierte Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1014: Zum Kotzen. Die Schwangerschaftsübelkeit.“
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