In der Aromatherapie werden ätherische Öle verwendet, um das körperliche und seelische Wohlbefinden zu fördern. 

Sie wird in der Regel nicht als alleinige Methode eingesetzt, um Krankheiten zu heilen oder ihnen vorzubeugen – auch, wenn es da verschiedene Definitionen gibt.

Ätherische Öle, auch als Aetherolea bezeichnet, sind flüchtige und lipophile (fettliebende) Stoffgemische, die aus verschiedenen Pflanzenteilen wie Blättern, Blüten, Früchten, Wurzeln, Rinden und Hölzern gewonnen werden. 

Sie sind für ihren aromatischen Geruch bekannt und bestehen aus einer Vielzahl von chemischen Verbindungen, hauptsächlich Terpenen wie Monoterpenen und Sesquiterpenen sowie Phenylpropanderivaten.

Die Gewinnung der ätherischen Öle erfolgt hauptsächlich durch drei Verfahren: Wasserdampfdestillation, Kaltpressung und Extraktion. 

Bei der Wasserdampfdestillation wird Pflanzenmaterial durch heißen Wasserdampf behandelt, der das ätherische Öl aus den Pflanzen löst. Nach der Kondensation trennt sich dann das Öl vom Wasser und kann abgeschöpft werden. 

Die Kaltpressung wird vor allem für Zitrusöle verwendet, wobei die Schalen gepresst werden, um eine Emulsion aus Flüssigkeit und ätherischem Öl zu erhalten, die anschließend zentrifugiert wird. 

Bei der Zentrifugation nutzt man die Zentrifugal­kraft aus. 

Das heißt, durch schnelles Drehen der Probe, wie in einem Kettenkarussell auf Speed, findet eine Sedimentation statt. 

Die schwereren Bestandteile setzen sich unten im Probenröhrchen ab. 

Bei der Extraktion, die vor allem bei Blütenölen verwendet wird, werden die löslichen Aromastoffe, Wachse und Farbstoffe in geeigneten Lösungsmitteln wie Hexan gelöst. 

Nach der Entfernung des Lösungsmittels bleibt eine wachsartige Masse zurück, die weiterverarbeitet wird​​​​. 

Um schließlich das reine Öl zu gewinnen, wird die Masse mit Ethanol aufgereinigt.

Die ätherischen Öle werden in der Aromatherapie entweder äußerlich oder durch Einatmen angewendet. Die innerliche Anwendung ist hingegen nicht Teil der klassischen Aromatherapie, obwohl es auch da verschiedene Ansichten gibt. 

Die Grundlage der Aromatherapie basiert auf der Vorstellung, dass bestimmte Düfte durch die Inhalation ätherischer Öle auf das limbische System im Gehirn wirken können. 

Die äußerliche Anwendung wirkt hingegen direkt an Ort und Stelle, beispielsweise durch die Förderung der Durchblutung oder Muskelentspannung, und nutzt nicht die direkte olfaktorische Stimulation des limbischen Systems, also die Stimulation, die über den Geruchssinn erfolgt.

Das limbische System ist ein Bereich im Gehirn, der für die Verarbeitung von Emotionen, Erinnerungen und Verhaltensweisen zuständig ist. 

Es wird angenommen, dass das Einatmen dieser Düfte bereits in niedrigen Dosierungen ausreicht, um Reaktionen wie Entspannung, Wohlbefinden oder Stimmungsaufhellung auszulösen. 

Das liegt daran, dass die Geruchssignale direkt über die Nase zum Gehirn geleitet werden und dabei keine Umwege über andere Körperfunktionen machen müssen.

Diese Signale können dann emotionale Reaktionen hervorrufen, die das eigene Wohlbefinden beeinflussen.

Die Verwendung duftender Öle und Harze reicht bis ins alte Mesopotamien und Ägypten zurück, wo sie zur Ehrung der Götter und zur Totenpflege genutzt wurden.

Die moderne Aromatherapie als Konzept entstand jedoch erst im 20. Jahrhundert.

In unserer Zeit wird die Aromatherapie in Form von Bädern, Massagen, Inhalationen und als Raumduft angewendet. 

Beliebte ätherische Öle sind Eukalyptus, Pfefferminze, Lavendel und Zitrusöle. 

Je nach Art und Anwendung der ätherischen Öle sollen damit verschiedene Effekte erzielt werden. 

Der Inhalation von Lavendelöl wird zum Beispiel eine beruhigende Wirkung nachgesagt, die bei Schlafstörungen und innerer Unruhe helfen soll. 

Es gibt einige Hinweise aus kleineren Studien, dass der Duft von Lavendel tatsächlich eine entspannende Wirkung haben könnte.

Größere, gut kontrollierte Studien sind jedoch nötig, um diese Effekte endgültig zu belegen. 

Eukalyptus wird in der Aromatherapie bei Atemwegsinfektionen eingesetzt, da angenommen wird, dass der Duft schleimlösende und erfrischende Effekte hat, wobei die wissenschaftliche Evidenz in Form klinischer Studien hierfür begrenzt ist.

Pfefferminzöl verwendet man bei Kopfschmerzen, indem man es auf die Schläfen aufträgt, wobei es durch seine kühlenden und entspannenden Eigenschaften Linderung verschaffen soll. 

Die kühlende und durchblutungsfördernde Wirkung von Pfefferminzöl beruht auf dem Hauptbestandteil Menthol. 

Menthol aktiviert Kälterezeptoren in der Haut, wodurch ein kühlendes Empfinden entsteht. 

Gleichzeitig kann es auch die Gefäße erweitern und die Durchblutung fördern, was die Muskeln entspannt und die Schmerzwahrnehmung verringert. 

Diese Kombination der Effekte erklärt, warum Pfefferminzöl gleichzeitig kühlend und durchblutungsfördernd wirken kann. 

Randomisierte kontrollierte Studien, die als wissenschaftlicher Standard zur Bewertung der Wirksamkeit von Behandlungen gelten, haben gezeigt, dass die äußerliche Anwendung von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen eine vergleichbare Wirkung wie herkömmliche Schmerzmittel haben kann, in den Studien aber keine typischen systemischen Nebenwirkungen dieser Schmerzmittel beobachtet wurden.

Diese Wirkung wird durch mehrere klinische Studien unterstützt.

Rosmarinöl wird für seine durchblutungsfördernden Eigenschaften geschätzt und kommt oft bei Muskelschmerzen zum Einsatz.

Es gibt Hinweise darauf, dass Rosmarinöl durch seine anregenden und wärmenden Effekte die lokale Durchblutung verbessern und dadurch Verspannungen lindern kann. 

Allerdings basiert die Anwendung meist auf traditioneller Erfahrung. 

Die wissenschaftliche Evidenz für diese Wirkungen ist begrenzt. 

Positive Effekte der Aromatherapie können oft auf persönliche Erfahrungen zurückgeführt werden und hängen stark von der individuellen Wahrnehmung ab.

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2016 untersuchte die Wirkung von Massagen mit oder ohne Aromatherapie zur Symptomlinderung bei Krebspatienten. 

Die Ergebnisse zeigten, dass eine Massage allein kurzfristig Schmerzen und Angstzustände lindern kann, während die zusätzliche Verwendung von ätherischen Ölen keinen großen zusätzlichen Nutzen brachte. 

Ein weiteres Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 analysierte den Einsatz von Aromatherapie bei Menschen mit Demenz.

Die Analyse von 13 Studien mit insgesamt 708 Teilnehmern ergab keine überzeugende Evidenz für die Wirksamkeit der Aromatherapie. 

Die Autoren betonten, dass größere und qualitativ bessere Studien notwendig sind, um verlässliche Schlussfolgerungen ziehen zu können. Viele der behaupteten Wirkungen der Aromatherapie können durch den Placeboeffekt erklärt werden.

Die Evidenz für die Wirksamkeit der Aromatherapie ist daher uneindeutig, unter anderem weil Studien mit ätherischen Ölen verständlicherweise schwer zu verblinden sind.

Die Teilnehmer erkennen sofort am Geruch, ob es sich um ein ätherisches Öl handelt oder nicht.

Problematisch bei ätherischen Ölen sind allerdings ihre möglichen Nebenwirkungen, wie Hautreizungen oder allergische Reaktionen, was Vorsicht bei der Anwendung erfordert.

Es spricht in der Regel bei sachgemäßem Gebrauch und ausreichender Lüftung nichts dagegen, ätherische Öle in der Wohnung als Raumduft zu verwenden, falls einem der Geruch zusagt.

Personen mit Atemwegsproblemen sollten jedoch vorsichtig sein, da das Einatmen bestimmter Öle Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen kann. 

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass einige ätherische Öle, wie Lavendel und Teebaumöl, hormonähnliche Effekte haben könnten, weshalb ihre Verwendung nur in Maßen erfolgen sollte.

Achtung jedoch bei Kleinkindern unter zwei Jahren! Bei ihnen muss man besonders vorsichtig mit ätherischen Ölen sein. 

Einige stark riechende Öle, vor allem solche mit Kampfer, Eukalyptus oder Minzöl/Menthol, können bei ihnen zu einem Glottiskrampf führen.

Ein Glottiskrampf ist ein krampfartiges Zusammenziehen der Kehlkopfmuskulatur, das zu einer Verengung des Kehlkopfes und einem Verschluss der Stimmritze führt und in der Vergangenheit in seltenen Fällen sogar tödlich endete. 

Deshalb sollte bei der Anwendung ätherischer Öle besondere Vorsicht gelten, vor allem bei der Anwendung in der Nähe von Kleinkindern.


Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1010: Was ist die Aromatherapie und ist sie Unsinn?“

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