Bei kolloidalem Silber handelt es sich um kleine Partikel von elementarem Silber, die in Wasser fein verteilt, also suspendiert, vorliegen.
Diese Partikel sind so klein, dass sie im Allgemeinen nicht mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie sind jedoch groß genug, um sich von einer echten Lösung zu unterscheiden, da sie nicht vollständig auf molekularer Ebene gelöst vorliegen.
Kolloidale Partikel sind durch elektrostatische Abstoßung, also die Abstoßung aufgrund gleicher Ladung, in der Flüssigkeit verteilt, was das schnelle Absetzen (Sedimentation) verhindert.
Im Gegensatz zu einer echten Lösung, in der die gelösten Stoffe so fein zerkleinert vorliegen, dass sie als einzelne Moleküle gleichmäßig in der Flüssigkeit verteilt sind, können sich kolloidale Partikel jedoch über längere Zeiträume hinweg teilweise absetzen, wenn die Stabilität der Suspension nachlässt.
Hat Silber eine Wirkung, die die Anwendung in der Medizin rechtfertigen würde?
Ja. Silber hat einen oligodynamischen Effekt.
Der oligodynamische Effekt beschreibt die Fähigkeit bestimmter Metalle, bereits in sehr geringen Konzentrationen Mikroorganismen abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen.
Diese Fähigkeit haben Metalle wie Silber, da sie mit Proteinen (Eiweißen) und Enzymen der Mikroorganismen reagieren, was deren Stoffwechsel stört und sie schließlich inaktiviert.
Die antimikrobielle Wirkung erklärt, warum silberbeschichtete Wundauflagen äußerlich verwendet werden, um Infektionen zu verhindern.
Das Stichwort hier ist äußerlich. Als innerlich angewendetes Mittel hat kolloidales Silber keine nachgewiesene Wirkung.
Ob Silber in ausreichend hohen Dosen in das infizierte Gewebe kommt, um Erreger abtöten zu können, ist genauso unklar wie die Frage, ob es überhaupt dort ankommt.
Dieser Umstand scheint es für Anhänger der Pseudomedizin jedoch interessant zu machen, da sie das nicht glauben möchten und es zur Behandlung oder Vorbeugung diverser Krankheiten einsetzen.
Sie nutzen es beispielsweise bei einfachen Infektionen, aber auch bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs.
Beliebt war auch die Anwendung gegen COVID-19 – falls sie an das Virus glaubten.
Die antimikrobielle Wirkung, die kolloidales Silber in vitro, also „im Reagenzglas“, hat, lässt sich nicht ohne Weiteres auf den menschlichen Organismus („in vivo“) übertragen.
Auch wenn es keine nachgewiesene Wirkung für die Einnahme von kolloidalem Silber gibt, gibt es nachgewiesene Nebenwirkungen.
Ein bekanntes Risiko ist die Argyrie, eine nicht mehr rückgängig zu machende Blau- bis Graufärbung der Haut und der Schleimhäute, die durch Ablagerungen von Silber im Gewebe entsteht.
Diese Verfärbung tritt besonders an Hautstellen auf, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, wie dem Gesicht und den Händen, da UV-Strahlung die im Gewebe abgelagerten Silberpartikel chemisch verändert und dadurch sichtbar macht.
Diese Menschen sehen dann oft wie Schlümpfe aus. Lebenslang.
Dokumentiert wurde das bei verschiedenen Personen, darunter der verstorbene Paul Karason.
Neben der neuen Farbe gibt es weitere potenzielle gesundheitliche Risiken, darunter Schäden an Organen wie Nieren und Leber, die durch die Ablagerung von Silber entstehen können.
Zudem sind neurologische Störungen möglich, die sich in Form von Symptomen wie Schwindel, Krampfanfällen oder anderen Beeinträchtigungen des Nervensystems äußern können.
Ein weiteres Problem ist die mögliche Resistenzbildung von Mikroorganismen gegenüber Silber.
Diese Resistenz kann sich dann auf andere Bakterien ausbreiten und so antibiotikaresistente Keime fördern, was ein großes Problem darstellt.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stuft kolloidales Silber als Arzneimittel ein, das eine Zulassung benötigen würde, um vertrieben zu werden.
Damit müsste dann sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit nachgewiesen werden.
Aus diesem Grund ist kolloidales Silber nicht als Arzneimittel zugelassen und da es die Nahrung nicht ergänzt, ist es auch nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.
Dennoch bekommt man es in Apotheken und auch im Internet. Die Hersteller erwähnen meistens allerdings nur eine äußere Anwendung.
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat bereits 1999 entschieden, dass kolloidales Silber nicht als sicher oder wirksam gilt und verbot den Verkauf von kolloidalen Silberprodukten als rezeptfreies Arzneimittel.
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine überarbeitete Version meines informativen Infoletters „#DerApothekerInformiert – Teil 1005: Kolloidales Silber gegen Infektionen, Krebs und COVID-19?“
Wenn ihr weitere solcher Artikel lesen wollt, abonniert die kostenlose Ausgabe meines informativen Infoletters, der jeden Sonntag um 19 Uhr erscheint:
[#DerApothekerInformiert: Die kostenlosen Ausgaben]
Ihr wollt voraussichtlich jeden Tag eine Ausgabe oder alle am Ende der Woche und dazu das Archiv, das Buch oder alle Bücher (signiert) und sogar noch einen oder fünf Mitgliedschaften zum Verschenken? Dann klickt hier:
[#DerApothekerClub]
Hier findet ihr das Archiv, das ihr ab #DerApothekerClub Pro zusätzlich bekommt:
[Das Archiv]
Wenn ihr nur das aktuelle Buch haben möchtet, dann lege ich euch folgenden Link nahe, der für alle Autoren die beste Option darstellt:
[Von Aspirin bis Zink]
Welche Kapitel enthalten sind, seht ihr hier:
[Meine Bücher]






Schreibe einen Kommentar