Auf Steady kannst du meinen voraussichtlich täglich erscheinenden Infoletter abonnieren. Jede 5. Ausgabe ist kostenlos. Klicke hier: #DerApothekerInformiert – die kostenlosen Ausgaben

Mehr Infos

Die Ereignisse dieser Geschichte fanden Anfang Dezember 2020 statt. Veröffentlicht wurde die Geschichte erstmals am 12. Dezember 2020.

 

Ich stehe alleine hinten in der Apotheke, hebe meine Maske kurz an und nehme einen Schluck meines köstlichen Earl-Grey-Tees, als ich höre, wie jemand zur Tür reinkommt. Ich stelle meine Teeflasche ab und gehe nach vorne.

Mitten im Raum steht ein Mann. Mit dem Rücken zu mir. Als er mich bemerkt, dreht er sich um und zieht sich seine Maske über Kinn und Nase.

Zack. Gleich unsympathisch. Geht zur Zeit sehr schnell bei mir. Könnte daran liegen, dass an diesem Tag knapp 30.000 Covid-19-Neuinfektionen und knapp 600 Todesfälle innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet wurden.

Könnte aber auch daran liegen, dass die Zahlen nicht nur konstant hoch bleiben, sondern ständig weiter ansteigen und die Leute es offensichtlich immer noch nicht begriffen haben, dass wir kurz vor einer Katastrophe stehen. Falls man es nicht schon längst so bezeichnen möchte.

Bereits die ersten drei Kunden an diesem Tag musste ich darauf hinweisen, dass sie ihre Maske bitte über die Nase ziehen möchten.

Und das waren nicht die einzigen an diesem Tag. Das ging genauso weiter. Ich bin es einfach nur noch leid. Warum muss ich die Menschen immer wieder darauf hinweisen? Sollte das nicht mittlerweile jedem klar sein, dass auch die Nase unter die Maske muss?

Das Problem wird vermutlich sein, dass die Maskeunterdernaseträger überall damit durchkommen und nicht wirklich darauf angesprochen werden, dass sie doch bitte ihre Masken korrekt tragen sollen. Weder in den öffentlichen Verkehrsmitteln passiert das in ausreichendem Maße, noch im Einzelhandel, wo die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer selbst keine Masken tragen. Weil sie ja nicht müssen. Aber sie sollten.

Wie sollen wir die Zahlen denn in den Griff bekommen, wenn es so vielen einfach nur egal zu sein scheint, ob sie andere infizieren oder nicht? Wenn die beschlagene Brille oder mal fünf Minuten etwas schlechter Luft bekommen, als Argument dafür herhalten muss, dass man einen Scheiß auf seine Mitmenschen gibt?

Ich verstehe schon nicht, warum die Menschen sich nicht selbst schützen wollen. Gerade weil die anderen keine Rücksicht nehmen. Eigenverantwortung funktioniert nicht.

“Guten Tag”, spricht er mich an.

“Guten Tag, was kann ich für Sie tun?”

“Ich hätte gerne Altagricolaegro, zur Beruhigung.”

Ein homöopathisches Mittelchen, das in Wirklichkeit etwas anders heißt. Hmm. Okay. Vielleicht weiß er ja nicht, dass das homöopathisch ist.

“Möchten Sie die Tropfen oder die Tabletten?”

“Was können Sie mir denn empfehlen?”

“Gar nichts. Das ist homöopathisch und hat keine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht.”

Er schaut mich an, ich schaue ihn an. Wer zieht zuerst?

“Sie glauben nicht an die Homöopathie?”

“Nein. Es gibt keine aussagekräftigen Studien, die eine Wirkung der Homöopathie belegen können.”

“Es gibt sehr wohl Studien, die die Wirkung der Homöopathie belegen!”

“Aber keine korrekt durchgeführten.”

“Das sehe ich anders.”

Eine Diskussion erscheint mir sinnlos.

“Okay. Dann die Tropfen oder die Tabletten?”

“Geben Sie mir die Tabletten!”

Ich fordere vom Automaten die Tabletten an. Während er wartet, kommt er auf die schlaue Idee, seine Maske erneut unter die Nase zu ziehen.

“Ziehen Sie bitte Ihre Maske über die Nase!”

“Aber dann seh ich nichts, weil meine Brille beschlägt!”

“Die Maske ist ja wohl wichtiger, als eine beschlagene Brille!”

“Wissen Sie was, wir lassen das!

“Gerne.”

Er dreht sich um und marschiert zur Tür. In der Tür stehend reißt er, nicht nur im übertragenen Sinne, provokativ seine Maske vom Gesicht. Ich höre nur noch leeres, Corona leugnendes Gebrabbel. Ich höre nicht hin und gehe wieder nach hinten. Ich bin es leid.

Nachtrag:

Als die Maskenpflicht abgeschafft wurde, obwohl es noch nötig gewesen wäre, eine Maske zu tragen, fand ich das natürlich alles andere als gut. Aber, und das war das positive daran, die ganzen Diskussionen mit den Kunden entfielen. Und wer mir schon länger folgt, weiß, davon hatte ich mehr als genug. 

Wer meine Reaktion auf den Kunden als übertrieben sieht, sieht das möglicherweise nur deshalb so, weil er sie durch heutige Augen betrachtet und nicht im Kontext ihrer Zeit. 

Und – last but not least – was ich immer wieder interessant finde, ist der Zusammenhang von Homöopathie/Schwurbel und dem Unwillen, eine Maske zu tragen (oder sich Impfen zu lassen).

Geschichten aus der Apotheke – Alle Teile

Abonniere kostenlos jede fünfte Ausgabe meines informativen Infoletters: #DerApothekerInformiert – die kostenlosen Ausgaben

Alle Ausgaben des Infoletters bekommst du für rund 13 Cent pro Ausgabe. Damit erhältst du wichtige Informationen über Pseudomedizin, Arzneimittel, Krankheiten und vieles mehr.

Mitglieder im #DerApothekerClub erhalten nicht nur jede Ausgabe meines Infoletters, sondern auch ein Buch nach Wahl mit persönlicher Widmung sowie weitere Vorteilen.

Mehr Infos sowie eine Liste aller alten und zum Teil auch neuen Ausgaben des Infoletters findest du hier: Mein Infoletter

Weitere Themen, über die ich etwas geschrieben habe, findest du in der Themenliste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Beliebt