In der Hanfpflanze findet man über 560 verschiedene chemische Verbindungen. 

Die wichtigsten davon sind die beiden Cannabinoide THC und CBD. THC steht für Tetrahydrocannabinol und CBD für Cannabidiol. Im Gegensatz zu THC ist CBD nicht psychoaktiv, was bedeutet, dass es keinen Einfluss auf die Psyche und das Bewusstsein ausübt und somit auch nicht als Betäubungsmittel eingestuft wird.

Die Cannabinoide befinden sich hauptsächlich in den harzhaltigen Blüten der weiblichen Pflanzen. Der Gehalt an THC und CBD ist sogar größer, wenn die weibliche Pflanze nicht von der männlichen befruchtet wurde, was diese Varianten natürlich beliebter macht. Wird sie nicht befruchtet, bildet sie auch keinen Samen aus. Man spricht dann von „Sinsemilla”-Cannabis. Das ist Spanisch-Latein und heißt auf Deutsch-Deutsch so viel wie Ohne-Samen-Hanf.

Um CBD zu verwenden, muss es gelöst werden. Da es nicht wasserlöslich ist, löst man es in einem Öl. Im Prinzip ist es egal, welches Öl man dafür verwendet. Hanföl bietet sich natürlich an, da es ebenfalls aus der Hanfpflanze gewonnen wird. Aus den Samen.

Das CBD wird dann als Hanfextrakt einer weiblichen Pflanze, als Hanfisolat oder auch als synthetisch gewonnenes Cannabidiol, dem Öl hinzugefügt.

Je mehr CBD man in dem Öl löst, desto weniger Tropfen benötigt man letztendlich bei der Dosierung. Das macht das Öl natürlich auch teurer. 

Auf dem Markt befinden sich Öle mit einem CBD-Gehalt zwischen 5 und 50 Prozent. 10 Milliliter eines 50 prozentigen CBD-Öls, kostet zwischen 150 und 200 Euro. Rund 20.000 Euro pro Liter.

Lipophile (fettliebende) Verbindungen wie CBD werden bereits im Mund über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangen so in den systemischen Kreislauf. Die Mundschleimhaut ist gut durchblutet, weshalb diese Art der Anwendung einen schnellen Wirkungseintritt garantiert. 

Wird CBD-Öl eingenommen, wird es deshalb in den Mund gesprüht, bzw. unter die Zunge geträufelt. CBD wird zudem eher schlecht über den Dünndarm aufgenommen, was der Aufnahmeort für die meisten Arzneistoffe darstellt. 

Am häufigsten wird freiverkäufliches CBD-Öl zur Entspannung, gegen Stress und zum besseren Einschlafen verwendet. Andere nehmen es gegen Arthrose, bei Migräne, zur Schmerzlinderung, bei Angststörungen, bei Depressionen und auch gegen Krebs ein. Im Internet wird sogar empfohlen, CBD-Öl auf Tampons zu träufeln, da es so angeblich gegen Regelbeschwerden helfen soll. 

Wie immer muss man sehr skeptisch sein, wenn einem sehr viele verschiedene Wirkungen versprochen werden. Vor allem aber dann, wenn es für die ganzen Versprechen keine Beweise gibt – so wie beim CBD-Öl.

Hier gaukelt der Placeboeffekt mal wieder eine Wirkung der Substanz vor und das, obwohl es für CBD tatsächlich auch nachgewiesene Effekte gibt. Allerdings in höheren Dosierungen.

Ein 10 prozentiges freiverkäufliches CBD-Öl enthält theoretisch 1000 Milligramm CBD in 10 Millilitern. Das sind rund 250 Tropfen. Ein Tropfen hat ein Volumen von 0,04 Milliliter und enthält 4 Milligramm CBD. Man sollte vom 10 prozentigen CBD-Öl zwei bis drei Tropfen täglich einnehmen. Das entspricht 8 bis 12 Milligramm CBD am Tag.

Das CBD-haltige Arzneimittel, das gegen Epilepsie eingesetzt wird, ist ebenfalls ein 10-prozentiges CBD-Öl. Als Höchstdosis werden hier von Erwachsenen sowohl beim Lennox-Gastaut-Syndrom, einer Form der Epilepsie, zweimal täglich 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht eingenommen. 

Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener nimmt somit zweimal täglich 700 Milligramm CBD ein – 1400 Milligramm bzw. 14 Milliliter pro Tag. Das würde beim Nicht-Arzneimittel 350 Tropfen bzw. fast anderthalb Flaschen pro Tag entsprechen. Also wesentlich mehr als tatsächlich eingenommen wird. Zwei bis drei Tropfen täglich sind also viel zu wenig, damit tatsächlich eine Wirkung ausgelöst wird, die über den Placeboeffekt hinausgeht.

Theoretisch würden auch die frei verkäuflichen CBD-Öle dieselben Wirkungen haben, wie die CBD-haltigen Öle, die man als Arzneimittel einsetzt. Vorausgesetzt, man setzt dieselben Dosen eins und es ist auch enthalten, was auf der Verpackung steht. 

Wie die Stiftung Warentest nämlich herausfand, ist allerdings nicht immer drin, was draufsteht. Manche CBD-Öle enthalten zum Beispiel weniger CBD als angegeben, manche wiederum mehr vom psychoaktiven THC als sie enthalten dürfen.

Anderen Prüfstellen fanden heraus, dass sogar in fast allen Produkten (94 Prozent) die THC-Werte erhöht waren. Zum Teil bis um das 10.000-fache des THC-Richtwertes für Nahrungsergänzungsmittel, der bei 0,15 Milligramm THC pro Kilogramm CBD-haltiges Produkt liegt. Der Durschnitts-THC-Gehalt lag bei 1230 Milligramm pro Kilogramm. Inklusive der Produkte, die THC-frei sein sollten. Das kann nicht nur zu einem positiven Drogentest, sondern auch vermehrt zu Nebenwirkungen, wie einer eingeschränkten Aufmerksamkeit am Steuer, führen.

CBD-Öle sind allerdings in Deutschland nicht zur Einnahme freigegeben. Der Grund dafür ist, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Auffassung vertritt, dass Hersteller solcher Produkte zumindest die Sicherheit für die Anwender belegen können müssen. Dazu bräuchten die CBD-Öle aber eine Zulassung als Arzneimittel oder als neuartiges Lebensmittel (Novel Food). Das kostet einerseits Geld und andererseits können wohl nicht alle Anbieter die Sicherheit ihrer Produkte garantieren.

Also wird das Ganze von den Herstellern einfach umgangen. Sie bringen ihre Öle darum einfach entweder als Aromaöle oder als Kosmetika auf den Markt. Dass die Öle trotzdem eingenommen werden, ist jedem klar. Einige Anbieter geben sogar verbotenerweise an, wogegen man es einnehmen kann und machen zudem Angaben zur Dosierung. Dabei ist es selbst bei Lebensmitteln verboten, krankheitsbezogene Aussagen zu machen.

Kauft man sich also ein CBD-Öl und möchte dieses Einnehmen, dann sollte man sich bewusst machen, dass man in diesen Dosierungen keine Wirkung erwarten kann, die über den Placeboeffekt hinausgeht und dass man letztendlich nicht weiß, was man tatsächlich einnimmt. Hinzukommt, dass weder vollständig geklärt ist, welche Nebenwirkungen durch das CBD-Öl auftreten können, noch welche Auswirkungen eine dauerhafte Einnahme auf die verschiedenen Organe haben könnte. 

Nicht empfehlenswert.

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