Ich erlebe es in der Apotheke häufig, dass die Kunden bei pflanzlichen Arzneimitteln denken, dass diese harmlos wären, da sie ja schließlich pflanzlich sind. Diese Logik erschließt sich mir nicht so ganz. Warum sollte eine chemische Verbindung besser für den Menschen sein, nur weil sie von einer Pflanze hergestellt wurde? Ob die Chemikerin, die eine chemische Verbindung herstellt, menschlich oder pflanzlich ist, spielt keine Rolle.
Man hat zwar bei verschiedenen Pflanzen nach und nach entdeckt, dass sie bestimmte Eigenschaften haben, die der Gesundheit des Menschen zuträglich sein können, ihr Ziel ist es aber nicht, für uns Inhaltsstoffe für Arzneimittel oder Naturkosmetik zu liefern.
Viele Pflanzen können sogar giftig für uns sein. Man denke zum Beispiel an die Tollkirsche und an den Eisenhut. Und auch an den Tabak: An keiner Pflanze sterben weltweit mehr Menschen als an Tabak.
Nichtsdestotrotz basieren viele synthetische Arzneimittel auf Pflanzen. Die Dosis macht letztendlich das Gift.
Fakt ist auch, dass man bei Arzneipflanzen oft nicht genau weiß, wodurch die Wirkung überhaupt genau verursacht wird, weswegen pflanzliche Arzneimittel meist ein Wirkstoffgemisch enthalten. Das heißt, sie bestehen aus vielen chemischen Verbindungen. Arzneimittel aus dem Labor hingegen, enthalten fast immer nur einen einzigen isolierten Wirkstoff.
Die gleiche Logik wird auch auf Naturkosmetik angewendet. Da sie aus pflanzlichen Inhaltsstoffen besteht, muss sie ja viel besser für die Haut sein, als alles andere, was man so zu kaufen bekommt.
Aber “Naturkosmetik” heißt erstmal gar nichts. Produkte, die als Naturkosmetik vermarktet werden, müssen noch nicht mal zu 100 Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen. Der Begriff “Naturkosmetik” ist rechtlich nicht geschützt.
Es ist zwar richtig, dass man manche Chemikalien, die man in regulärer Kosmetik findet und die manche für problematisch erachten, wie Parabene und Silikone, nicht in Naturkosmetik findet. Dafür enthält Naturkosmetik Stoffe, die Hautirritationen oder gar Allergien auslösen können.
Vor allem bei Arnika, römischer Kamille, Propolis und den ätherischen Ölen muss man aufpassen.
Naturkosmetik enthält auch oft weniger Konservierungsstoffe als reguläre Kosmetik, was die Produkte anfälliger für Bakterien und Schimmel macht. Daher sollte man Naturkosmetik also unbedingt richtig lagern und auf das Verfallsdatum achten.

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