Wenn das Patent eines Arzneimittels abgelaufen ist, können andere Firmen hergehen und Kopien davon erstellen, man nennt das Ganze dann Generika. Diese können jedoch deutlich günstiger sein, da unter anderem die Kosten für die Entwicklung des Arzneimittels wegfallen. 

Möchte der Arzt ein Arzneimittel mit einem bestimmten Wirkstoff verordnen, wählt er ein Präparat aus seiner Liste aus. Von welchem Hersteller er das Präparat aufschreibt, ist nur dann wichtig, wenn er den Austausch ausgeschlossen hat, denn ansonsten entscheidet die Krankenkasse, welches Präparat ihr Mitglied von uns in der Apotheke erhält. Diese hat nämlich mit verschiedenen Firmen Rabattverträge geschlossen, an die wir uns in erster Linie halten müssen.

Um den Austausch auszuschließen, muss er ein Aut-idem-Kreuz setzen. Auf dem Papierrezept oder auf dem E-Rezept.

Aut idem heißt “oder das Gleiche”, es darf also ein Generikum abgegeben werden. Das ist die Standardeinstellung. Mit dem Aut-idem-Kreuz wird “aut-idem” quasi durchgestrichen. Folglich gilt “oder das Gleiche” dann nicht mehr und wir dürfen nur noch das verordnete Arzneimittel abgeben.

Das wirft die Frage auf, ob Generika genauso gut sind wie das Original. Um darauf eine Antwort zu finden, schauen wir uns mal genauer an, was es mit diesen Generika auf sich hat.

Ein Generikum kann nicht einfach so auf den Markt geworfen werden. Es müssen zuvor zahlreiche Tests und Vergleiche mit dem Originalpräparat durchgeführt werden. Dabei geht es vor allem darum, zu beweisen, dass das Generikum genauso wirksam und sicher ist wie das Original. 

Ein wichtiger Punkt ist dabei die sogenannte Bioverfügbarkeit. Die Bioverfügbarkeit gibt an, wie viel von dem eingenommenen Wirkstoff tatsächlich im Blut ankommt und somit wirken kann. 

Wird ein Arzneimittel in die Vene gespritzt, ist die Bioverfügbarkeit 100 Prozent, da ja alles im Blut ankommt. Wird eine Tablette eingenommen, kommt nicht der komplette Wirkstoff im Blut an. Dieser muss erstmal im Dünndarm aufgenommen werden. Dabei kann schon ein Teil verloren gehen. Nach der Aufnahme im Dünndarm muss er als nächsten Schritt die Leber passieren. Die Leber wandelt den Wirkstoff aber zum Teil um, damit er besser ausgeschieden werden kann. Auch hier geht folglich ein Teil verloren.

Bei Generika gilt: Sie müssen eine Bioverfügbarkeit von 80 bis 125 Prozent im Vergleich zum Original haben. Das bedeutet, sie können etwas weniger oder etwas mehr vom Wirkstoff freisetzen, aber immer in einem Rahmen, der sicherstellt, dass sie genauso effektiv sind. Das heißt, das Generikum kann tatsächlich schlechter wirken als das Original, aber das heißt ebenfalls, dass es auch besser wirken kann. 

Letztendlich ist das eine Frage des Ergebnisses. Ist der Blutdruck in dem Bereich, in dem er sein sollte? Ist der Cholesterolwert in dem Bereich, in dem er sein sollte? Werden die Schmerzen ausreichend gehemmt?

Die Aussage “Bei mir hilft nur das Original” ist Unsinn. Alleine deshalb schon, weil nicht alle auf dem Markt befindlichen Generika ausprobiert wurden, von denen es manchmal an die 30 gibt.

Aber warum genau diese Spanne von 80 bis 125 Prozent? Dieser Bereich wurde festgelegt, um geringe Unterschiede in der Produktion zu berücksichtigen, ohne die Wirksamkeit oder Sicherheit des Arzneimittels zu beeinträchtigen. Es ist somit eine Art Sicherheitsnetz, das sicherstellen soll, dass die Generika nahe genug am Original sind, um als gleichwertig zu gelten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass das Generikum den Wirkstoff auch in etwa derselben Geschwindigkeit an den Wirkort im Körper bringen muss wie das Originalpräparat. Es hilft nicht, wenn die Menge zwar dieselbe ist, das Generikum aber erst Stunden später wirkt.

Generika sind für die Krankenkassen wichtig, da sie so eine Möglichkeit haben, Kosten einzusparen. Häufig ist es auch verständlich, dass sie nicht bereit sind, für das Originalpräparat ein Vielfaches davon zu bezahlen, was ein Generikum kostet. 

In meinem zweiten Buch “#DerApotheker für alle Fälle” habe ich im Hinblick auf den Preisunterschied das Beispiel mit Finasterid, das in einer Dosierung von fünf Milligramm beim benignen Prostatasyndrom eingesetzt wird, gebracht:

100 Tabletten mit 5 Milligramm Finasterid … kosten als Generikum nur zwischen 40 und 60 Euro. Das Originalpräparat mit 98 Tabletten bekommt man für 94,41 Euro.

Das Generikum kostet in diesem Fall also nur etwa die Hälfte. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen. Häufig kostet das Original noch viel mehr als nur das Doppelte.

Vom Originalpräparat Sildenafil (Viagra) zum Beispiel kosten 12 Tabletten mit je 100 Milligramm 185,54 Euro. Von Biomo hingegen kosten 12 Tabletten mit 100 Milligramm Sildenafil nur 15,87 Euro. Das Original kostet somit also fast das 12-fache. Das ist schon etwas crazy.

Das ist allerdings kein gutes Beispiel im Hinblick auf die Krankenkasse, da Sildenafil als Lifestyle-Arzneimittel ohnehin nicht von ihr übernommen wird, aber solche Preisunterschiede kommen auch bei anderen Arzneimitteln vor, die eben von ihr bezahlt werden.

Warum sollten sie also bereit sein, den wesentlich teureren Preis zu erstatten, wenn das Generikum so viel billiger und nicht unbedingt schlechter ist?

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