Ninja vs Depression

Citalopram und Escitalopram gehören zur Gruppe der SSRI (selective serotonin reuptake inhibitors). 

Citalopram ist ein Racemat, das heißt, es besteht zu gleichen Teilen aus dem S-Enantiomer (Escitalopram), das hauptsächlich für die antidepressive Wirkung verantwortlich ist, und dem weitestgehend unwirksamen R-Enantiomer (R-Citalopram). 

Als Enantiomere bestehen R-Citalopram und Escitalopram aus den gleichen Atomen in der gleichen Zusammensetzung. Sie unterscheiden sich voneinander nur in ihrer räumlichen Anordnung, ähnlich wie ein Bild und sein Spiegelbild. Diese unterschiedliche räumliche Anordnung führt dazu, dass sie im Körper unterschiedlich wirken können.

Für die antidepressive Wirkung ist es relativ egal, ob man nun 20 Milligramm Citalopram, das aus 10 Milligramm des wirksamen Escitaloprams und aus 10 Milligramm des relativ unwirksamen R-Citaloprams besteht, oder ob man gleich 10 Milligramm des wirksamen Escitaloprams – ohne das R-Citalopram – einnimmt.

Die antidepressive Wirkung wird durch das Serotonin verursacht. 

Serotonin ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der die Information einer Nervenzelle auf die nachgeschaltete Zelle überträgt.

Serotonin wird dazu also von der Nervenzelle freigesetzt. Um nun an seine Rezeptoren an der nachgeschalteten Zelle binden zu können, muss es den synaptischen Spalt überqueren, der sich zwischen den beiden Zellen befindet. Ist es dort mit seiner Informationsübertragungsarbeit fertig, landet es wieder im synaptischen Spalt, wo es von den Serotonin-Transportern zurück in die Nervenzellen aufgenommen wird. Dadurch wird die Konzentration an Serotonin im synaptischen Spalt reduziert. 

Escitalopram hemmt die Serotonin-Transporter. Es verhindert also, dass Serotonin wieder in der Nervenzelle landet. In der Folge ist die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt erhöht. Das bedeutet, dass mehr Serotonin verfügbar bleibt, um an die Rezeptoren der nachgeschalteten Zelle zu binden, was die Signalübertragung verstärkt.

Eine verringerte Konzentration an Serotonin im synaptischen Spalt wird unter anderem für eine depressive Symptomatik verantwortlich gemacht. Falls die Einnahme von Citalopram/Escitalopram bei der Depression keine Wirkung zeigt, hat diese Art der Depression vermutlich einen anderen Grund als eine zu geringe Serotonin-Konzentration. 

Citalopram/Escitalopram wird alle 24 Stunden eingenommen – entweder morgens oder abends. Die Dosierung von Citalopram beträgt in der ersten Woche zehn Milligramm und sollte dann auf 20 bis maximal 40 Milligramm Citalopram gesteigert werden – für Escitalopram allein gilt dementsprechend die halbe Dosierung. 

Die antidepressive Wirkung tritt, wenn die Depression an einem Serotoninmangel liegt, nach zwei bis drei Wochen ein. 

Mögliche Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Schlafstörungen, Schwitzen, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Gewichtsabnahme.

Auch das Risiko von Suizidgedanken, besonders bei jüngeren Erwachsenen unter 25 Jahren, kann zu Beginn der Behandlung erhöht sein, da die antriebssteigernde Wirkung nach der Einnahme schneller einsetzt als die stimmungsaufhellende. 

Wird die Therapie beendet, muss Citalopram/Escitalopram durch eine Dosisreduktion über ein bis zwei Wochen ausgeschlichen werden, um Absetzsymptome wie Schlafstörungen und Schwindel zu vermeiden. Dazu reduziert man am besten die Dosis nach und nach und reduziert im Anschluss das Dosierintervall (statt täglich, nur noch alle zwei Tage, usw.). 

Aber Vorsicht: Tabletten dürfen nur dann geteilt werden, wenn explizit angegeben wird, dass sie teilbar sind. Eine Kerbe ist keine Garantie dafür, dass sie teilbar sind.

Wichtig zu wissen ist auch, dass Citalopram/Escitalopram im EKG zu einer QT-Zeit-Verlängerung führen kann, wodurch das Risiko für die potentiell lebensgefährliche Torsades-de-Pointes-Tachykardie erhöht ist. Das heißt, das Risiko von Herzrhythmusstörungen wird erhöht, vor allem dann, wenn zusätzlich noch andere Arzneimittel eingenommen werden, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern. In der Praxis kommt das allerdings relativ häufig vor. Um das Risiko zu verringern, sollten deshalb regelmäßig EKGs durchgeführt werden.

Des Weiteren sollte Citalopram/Escitalopram nicht zusammen mit Arzneimitteln eingenommen werden, die ebenfalls die Serotoninkonzentration erhöhen, da sonst die Gefahr besteht, dass sich das Serotoninsyndrom entwickelt, das schlimmstenfalls ebenfalls tödlich verlaufen kann.

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